Am Montag, den 10. November war es endlich soweit: Die Klasse 1/2f freute sich auf den Besuch der Umweltpädagoginnen vom Haus der schwarzen Berge. Alle waren gespannt, was es zum Thema Hecke zu erfahren gab.
Das Wetter war schon richtig herbstlich frisch und an den Sträuchern hingen noch reichlich Beeren und Früchte, die wir bestimmen wollten und über die wir in HSU schon Vieles gelernt hatten.
Die zwei Damen, Frau Simone Scheer und ihre Praktikantin, erarbeiteten zuerst im Klassenzimmer einige Grundlagen. Den Aufbau der Hecke in waagerechten Schichten betrachtet, kannten die Kinder bereits. Es ging um die Benennung der Abschnitte, welche die Zweitklässler in ähnlicher Form schon im ersten Schuljahr zum Thema Wiese kennengelernt hatten. Damals waren es von oben nach unten Blüten-, Stängel-, Kraut-, Boden- und Wurzelschicht. Bei der Hecke waren es nun Baum-, Strauch-, Kraut-, Boden/Moos- und Wurzelschicht.
Schnell wurden Zusammenhänge geknüpft und das Wissen erweitert. Anhand einer selbst erstellten Zeichnung wurde klar, wie die Schichten heißen, was da wächst und welche Tiere dort leben.
Neu war für uns alle die vertikale Einteilung der Hecke in sogenannte Zonen, also von außen nach innen betrachtet. Ganz außen am Rand befindet sich die Saumzone, ähnlich dem Rand eines Kleides. Hier ist der Übergang zur benachbarten Landschaft, der Wiese oder dem Feld. Dort wachsen Gräser und Kräuter. Dringt man etwas weiter in die Hecke ein, kommt man in die Mantelzone. Hier finden sich die Sträucher, die man gut sehen und auch berühren kann, um z. B. Beeren zu ernten. Wenn man es schafft, ganz tief in die Hecke zu gelangen, erreicht man die Kernzone, die wie bei einem Apfelkernhaus die Kerne geschützt im Inneren trägt. Deshalb finden hier auch viele Tiere Schutz und bauen ihre Nester. Die Kernzone streckt sich ganz weit nach oben. Auch hohe Bäume entfalten dort ihre mächtigen Blätterkronen.
Die typischen heimischen Heckentiere durften im Anschluss an die anspruchsvolle Theorie in Form eines Rätselspiels erraten werden. Echte Felle wurden präsentiert und eifrig befühlt.
Und dann war es endlich Zeit für die Matschhosen und Gummistiefel! Warm eingepackt machten wir uns auf den Weg nach draußen. Gleich gegenüber der Hauptstraße befindet sich ein wunderschöner Heckenstreifen mit allerlei Gehölzen. Wir erkannten Haselnuss, Schlehe, Heckenrose, Holunder, Brombeere und fanden verlassene Vogelnester und Tierspuren in Form von Fußabdrücken und Kot.
Unterhalb der Multifunktionsspielfläche war ein guter Ort, um nun selbst eine Hecke anzulegen. Wie Hecken in der Natur entstehen, war bereits im Unterricht besprochen worden. Die Kinder kannten die Geschichte von den Bauern, die die Felder vor vielen, vielen Jahren anlegten, als sie die Rhön bevölkerten und aus dem Wald Nutzland machten.
Es wurde gerodet, Steine wurden aus den Ackerflächen geschleppt, so dass sogenannte Lesesteinwälle entstanden. Dort setzten sich gerne die Vögel hin, um Ausschau zu halten und ließen Kot fallen. Die darin enthaltenen Kerne fielen zwischen die Steine auf die Erde, begannen zu keimen und zu wachsen. So bildeten sich die Hecken, die bis heute als Grenze, Windschutz, Nahrungsquelle und Tierparadies dienen.
Genau diesen Werdegang spielten die Kinder in einfacher, gekürzter Art und Weise begeistert nach. Sie schleppten Steine, suchten Beeren, steckten Stöcke und hatten in kurzer Zeit ein tolles Heckenmodell gebaut.
Der Blick auf die Uhr kündigte das Ende unseres Aktionstages an.
Erst musste alles wieder naturgemäß zurückgebaut werden. Anschließend hatte Simone noch ein Überraschungsspiel im Rucksack. Zum Vorschein kam Handpuppe Eichhörnchen, welche die Herzen der Kinder schnell eroberte. Das Eichhörnchen wollte Vorräte für den Winter anlegen, wobei die Kinder helfen durften. Walnüsse wurden versteckt. Auf unserem Heimweg wurde in der Eichhörnchengeschichte plötzlich tiefer Winter und die Kinder hatten große Mühe, alle Walnüsse wieder zu finden, um dem müden, aber sehr hungrigen Eichhörnchen Nahrung zu schenken. Im Vorfeld waren alle Nüsse gezählt worden. Bis auf zwei Stück haben die Kinder alle wieder eingesammelt. Die nicht gefundenen zwei waren einfach zu gut versteckt. Genauso geht es den echten Eichhörnchen auch. Sie finden nicht alles, was versteckt wurde. Zum Glück, denn so tragen sie zur Vermehrung der Bäume und Sträucher bei. Vielleicht schaffen es die beiden Walnüsse der Klasse 1/2 f auch, auszukeimen und zu wachsen. Das wäre schön!
So ging der Erlebnistag „Hecke“ zu Ende und die Kinder machten sich glücklich, müde und teilweise ziemlich schmutzig auf den Heimweg.